Freitag, 13. März 2015

Wie funktioniert Impfen?


"Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr." (Marie Curie)
Influenzaviren, welche die Atemwege befallen; Quelle: http://www.cdc.gov/flu/images.htm 
Viele Eltern sind verunsichert, ob sie ihren Kindern mehr Gutes als Schlechtes tun, wenn sie ihre Kinder nicht Impfen. Da es gerade in aller Munde ist und auch schon Kinder an Masern gestorben sind, möchte ich hier (als Dipl.-Ing. Biosystemtechnik) einen kurzen und sehr einfachen Abriss über die bisher bekannten Funktionsprinzipien des Impfens geben. 
Zuerst ein "kleines Allgemeinbrötchen" zum Thema Medizin. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass so gut wie kein Medikament oder medizinische Behandlung ohne Nebenwirkungen auskommt. Das Gleiche gilt auch für Impfungen. Es müssen also bei jeder Behandlung die Vor- und Nachteile abgewogen werden. Daher möchte ich nicht grundsätzlich alle und jede Impfung gut heißen: wer nicht vor hat nach Afrika zu Reisen, braucht keine Impfung gegen Malaria, wer schwanger ist sollte die meisten Impfungen auch nicht ins Auge fassen. Wessen Kind eine Immunschwäche hat, sollte ebenso vermeiden bestimmte Impfungen vornehmen zu lassen.
Jetzt gibt es aber Krankheiten, die, wie zum Beispiel die Masern, Hepatitis oder Tetanus, sehr schwere Folgen haben und teilweise sogar tödlich verlaufen. Gerade bei solchen Krankheiten sollte man das Prinzip der aktiven Impfung verstehen und verantwortungsvolle Handlungen daraus ableiten.
Wie funktioniert unser Immunsystem:
Dringen Fremdstoffe (Pollen, Nahrung, Bakterien, Pilze, Viren, Gifte...) in unseren Körper ein, gibt es in jeder Region unseres Körpers verschiedene, spezialisierte Zellen mit Rezeptoren, welche sofort registrieren, dass Fremdstoffe eingedrungen sind und darüber entscheiden, ob diese gefährlich sind oder nicht. Nebenbei: Es können auch körpereigene Strukturen oder ungefährliche Fremdstoffe fälschlicherweise als Gefahr eingestuft werden. Die Folgen daraus sind entweder Autoimmunerkrankungen oder Allergien (über die genauen Ursachen, welche bisher dazu bekannt sind, schreibe ich später).
Diese Zellen, mit den Rezeptoren, können daraufhin Signale (Botenstoffe) aussenden, die andere Zellen und das Gehirn darüber informieren, wo genau und welche Art von Eindringling sich einen Weg in unseren Körper gesucht hat. Benachbarte Zellen, welche diese Botenstoffe mit ihren Rezeptoren erkennen, können wiederum diese Signale verstärken oder manchmal auch abschwächen, indem sie gegenteilige Informationen mit Botenstoffen versenden. Auch das Gehirn kann diese Reaktion der Signalverstärkung abschwächen oder stoppen, indem es wiederum Signale an Drüsen geben kann, die Botenstoffe zur Unterdrückung dieser Befallssignale produzieren.
Je nach Ort und Art des Befalls entscheidet der Körper über den Weg der Bekämpfung. Hat man zum Beispiel Krümel eingeatmet, wird man Niesen oder Husten, hat man hingegen etwas Schlechtes oder zu stark mit Keimen Belastetes gegessen wird man Erbrechen müssen oder Durchfall bekommen.
Eine weitere, und für die Prinzipien der aktive Impfung entscheidende, Form des Einfalls von Fremdstoffen sind Bakterien oder Viren, welche in unser Gewebe oder Blutkreislaufsystem einbrechen. Jeder Virustyp und jeder Bakterienstamm hat bestimmte Oberflächenmoleküle, die Menschen nicht haben und daher von unseren Immunzellen als fremd erkannt werden. Daraufhin werden, mit den bereits erwähnten Botenstoffen, zum einen andere Immunzellen an den Ort der Infektion gelockt und zum anderen wird das Gehirn darum gebeten, mehr Energie und bessere Bedingungen für das Immunsystem zur Verfügung zu stellen und andere Prozesse, wie die Verdauung oder Wachstumsprozesse, ein wenig zu benachteiligen. Manche der Zellen, die den sofortigen Erregerbefall bemerken, fangen an die Erreger zu verdauen und einige der fremden Oberflächenmoleküle zu verarbeiten und an ihrer Oberfläche  für andere Immunzellen zu präsentieren.
Nun ist ein Prinzip des menschlichen Immunsystems die Produktion von Zellen, welche lauter ähnliche Oberflächenrezeptoren besitzen, um fremde Moleküle zu erkennen. Jedoch werden bei jeder solch einer produzierten Immunzelle die Rezeptoren an einer kleinen Stelle ein kleines bisschen variiert. Damit kann jeder dieser Zellen ein bestimmtes Oberflächenmolekül besser (oder überhaupt erst) erkennen als andere. Trifft jetzt eine Zelle mit passendem Rezeptormolekül auf eine Zelle, die einen Erreger verdaut hat und dessen Oberflächenmoleküle herumzeigt, aufeinander, dann bekommt diese Zelle mit ihren spezialisierten Rezeptoren den Auftrag sich zu Teilen und wieder andere Zelle zu finden, die kleine Moleküle herstellen (Antikörper), welche die gleiche Erkennungsstruktur haben, wie die spezialisierten Rezeptoren der anderen Immunzellen.
Diese kleinen Moleküle (Antikörper) sorgen wiederum dafür, dass die Krankheitserreger im Gewebe oder Blut verklumpen und sich damit nicht mehr vermehren können und dann von wieder neuen Zellen verschlungen und verdaut werden.
Das klingt nicht nur kompliziert, sondern ist sogar noch viel komplizierter und aufwendiger, als hier erklärt. Und vor allem braucht es jede Menge Zeit - es müssen passende Zellen gefunden werden mit passenden Rezeptoren, die wiederum sich teilen müssen und Antikörper produzieren müssen und so weiter und sofort. Meistens sind auch nicht gleich die super - passenden Rezeptoren da - höchstens ungefähr passend, sodass durch die Veränderung der Erkennungsstruktur an den Rezeptoren durch neue Zellteilungen (Mutation) und Zellreifung, eine Weile gesucht werden muss. Daher hat der Körper eine schlaue Idee - jede Krankheit die er je so bekämpft hat, merkt er sich indem er die Zellen mit passendem Rezeptor sicher aufhebt. Bei einer neuen Infektion kann diese sofort wieder eingesetzt werden. Diese Zellen werden auch Gedächtniszellen genannt. Wobei diese Zellen auch, je nach Krankheit, nicht ewig Leben, weshalb Impfungen auch hin und wieder aufgefrischt werden müssen.

Nun ist das Problem bei einigen Krankheitserregern, dass sie keine Moleküle haben, welche leicht als grundsätzlich fremd erkannt werden. Entweder, weil sie zum Beispiel bestimmten Blutgruppenmolekülen oder schlichtweg bestimmten Nährstoffen, wie Zucker, sehr ähnlich sind. Wieder andere Erreger produzieren zu schnell und zu viel Gift, als dass der Körper am Anfang sich davor schützen kann und deshalb auf die Geschwindigkeit der Immunantwort mit Gedächtniszellen angewiesen ist.
In solchen Fällen hat man heraus gefunden, dass es manchmal reicht Erreger mit Proteinen zu zerkleinern und bestimmte Oberflächenmoleküle "aus dieser Suppe" heraus zu filtern oder die Krankheitserreger zu töten und dann dem Menschen in den Körper zu spritzen, sodass dieser Gedächtniszellen herstellt, die bei einer tatsächlichen Infektion sofort angreifen können. Da, wie bereits gesagt, manche Moleküle vom Immunsystem schlecht als fremd erkannt werden, hat man die Möglichkeit gefunden, dass man nicht nur tote Erreger oder Bruchstücke der Erreger spritzt, sondern zusätzlich besonders gut erkennbare Stoffe mit dazu gibt, damit das Immunsystem auf diese speziellen, gewünschten Oberflächenmoleküle aufmerksam wird. Dies nennt man auch Impfverstärker und dazu gehört zum Beispiel Aluminiumhydroxid. Diese Stoffe stehen jetzt in der Kritik, dass sie ja ungesund sind, weshalb sie ja in sehr geringen!!! Mengen eingesetzt werden, damit der Körper den Befall als handlungsbedürftig erkennt. Sicherlich kann man in einigen Fällen darüber diskutieren oder suchen ob es "bessere" Stoffe gibt. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass zum einen der Körper diese Stoffe ja als fremd erkennt und daher beseitigt, sie nur in sehr geringen Mengen verabreicht werden, uns drittens in jedem Fisch mehr Gift verabreicht wird und viertens die Erreger, gegen die man impft auch ein, zum Teil tödliches, Gift sind. Und nebenbei: Auch reines, klares frisches Wasser, welches ich literweise auf einmal trinke, ist ein Gift, ebenso wie Salz grammweise tödlich ist und doch in geringeren Mengen unentbehrlich bleibt. Man kann sicherlich auch grundsätzlich über die moralische Seite/ Interessenskonflikte mancher Firmenpraktiken sprechen, jedoch finde ich es sehr gewagt, das grundsätzliche Impfprinzip in Frage zu stellen.
Es sollte aber jedem klar sein, dass wenn er sich nicht impft, er dadurch auch andere (Babys, die noch zu klein zum Impfen sind und immungeschwächte Menschen wie alte Menschen, Schwangere und Menschen mit Autoimmunerkrankte) bewusst in Gefahr bringt. Wer sein Kind bei Masernparties oder ähnliches absichtlich anstecken lassen möchte, begeht damit den Strafbestand der vorsätzlichen schweren Körperverletzung. Stirbt ein Kind daraufhin, ist es sogar vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge.

--anja--

1 Kommentar:

  1. Ein interessanter Beitrag von Max-Wissen zum Thema Immunsystem www.max-wissen.de/Fachwissen/show/5957 .

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